28.01.10 Ev. Dekanat für Kurswechsel - "Tafel darf keine Dauereinrichtung werden"


Das Evangelische Dekanat Bergstraße will die Tafel in Rimbach weiter unterstützen, fordert aber eine politische Kurskorrektur, damit die Lebensmittelabgabe an Bedürftige keine Dauereinrichtung wird.

Bei einem Pressegespräch im Heppenheimer Haus der Kirche sprach sich Präses Axel Rothermel dafür aus,  bei der Armutsbekämpfung  andere Weichen zu stellen. Es müsse sich grundlegend etwas ändern. Die Zunahme der Tafeln und die wachsende Zahl an Bedürftigen seien ein Skandal. Es zeige, welche erschreckende Entwicklung der Sozialstaat nehme. „Es ist unzumutbar, dass Menschen nicht genug Geld haben, um sich anständig ernähren zu können und zugleich senke die christlich-liberale  Koalition die Steuern für Hoteliers“, so Präses Rothermel. Dekanin Ulrike Scherf warnte davor, sich an die Tafeln zu gewöhnen. „Für die von Armut Betroffenen müssen Bedingungen geschaffen werden, die die Tafel überflüssig machen.“

Die vom Diakonischen Werk Bergstraße betriebene Tafel in Rimbach unterstützt derzeit 169 Haushalte mit rund 500 Personen. Davon seien 250 Kinder unter 14 Jahren, teilte der Leiter des diakonischen Werks, Hendrik Raekow mit. Nach seinen Angaben ist der Bedarf größer als die Hilfe, die mit den 66 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern derzeit gleistet werden könne. Die Tafel in Rimbach unterstütze deshalb vorrangig Alleinerziehende und Rentnerinnen und Rentner, die von Altersarmut bedroht seien. Raekow begrüßte den Einsatz des Dekanats und der umliegenden Kirchengemeinden für die Tafelarbeit. Die evangelischen Gemeinden hätten zudem eigene Tafelbeauftrage berufen, die Kontakt zu der Einrichtung halten. „Wir wissen, dass die Kirchengemeinden finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Einige haben sogar hohe Kosten wegen der anstehenden Sanierung ihrer Kirche  und trotzdem helfen sie mit Geldspenden und mit Arbeitszeit. Dieses  Engagement ist nicht selbstverständlich“, meinte der Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße.

Dekanin Ulrike Scherf kündigte an, dass das Evangelische Dekanat auch in diesem Jahr Kindern und Jugendlichen aus finanzschwachen Familien ermöglichen will, kostenlos an einer Freizeit teilzunehmen.  Im vergangenen Jahr hätten dadurch 15 Kinder und Jugendliche Urlaub machen können, die in den Ferien sonst zu Hause hätten bleiben müssen. „Die Erfahrungen waren hervorragend, wir möchten das Angebot fortführen und wenn möglich weiter ausbauen“, sagte Dekanin Scherf. Für das Freizeit-Projekt „Ohne Moos was los“ sucht das Dekanat noch Sponsoren, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützen wollen.

 

Foto von links nach rechts: Hendrik Raekow (Diakonisches Werk), Dekanin Ulrike Scherf und Präses Axel Rothermel
Text u. Foto: bet